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FeengewebeFünf Jahre brauchten
wir, um aus Franz´ Elternhaus eine Heimat für unsere Zukunft zu machen. Anstrengende Jahre, aber schuld war nicht der Umbau, obwohl wir das meiste mit eigenen Händen gebaut haben. Wir konnten ja nicht wissen, dass wir
mit unserem harmlosen Ansinnen das Haus betreffend, an einer Front landeten, welche hart umkämpft war. Dieser Krieg war nicht offensichtlich. Eher eine Guerilla, die uns im bürokratischen Dschungel immer wieder
auflauerte. Doch allen Schwierigkeiten zum Trotz erfüllte sich damit mein Schicksal. Die Stadt, in der ich lebe, wollte mich unbedingt behalten. Nach dem Studium hätte ich sie am liebsten gleich wieder verlassen, aber
sie ließ sich einiges einfallen, damit ich blieb und auch ihr zum Schicksal wurde. Zuletzt verlieh sie mir, wenn auch nicht freiwillig, eine Hoheit und ich wurde Königin; der Stoff meiner Geschichte, den mir Feen schon
an der Wiege webten. --- Ein Kind sitzt in der Wiege und guckt über den Rand. Das bin ich, Josefa. Da fliegt ein Ziegelstein aus dem Nichts herbei. Ich fange ihn mit einer Hand, leicht wie
einen Federball, und beinahe will ich ihn schon zurückwerfen. Da wird er plötzlich schwer und fällt mir aus der Hand, mitten in die Wiege. Liegt da, wie ein Schicksal, breit, unverrückbar, auf meinem Platz. Bereitwillig
lege ich mich daneben. Das Schicksal riecht nach Staub, Kalk, Zement. Doch plötzlich mischt sich ein zartgelber Duft hinzu, wie die Ginsterblüte im italienischen Sommer. Es ist so schön, das muß wahr sein, ein Aroma des
Glücks! Plötzlich raschelt schwere Seide und 13 Feen, in lange Röcke und brokatene Blusen gekleidet, jede in einer anderen Farbe, versammeln sich um mein Bettchen. Sie schauen hinab auf mich mit dem Stein. „Der Stein
ist nicht kaputt“, sagt eine in Hellblau. „Den kann man immer noch nehmen“, eine Rotgewandete. „Der ist den Trümmerfrauen übriggeblieben. Sie hatten keinen Platz mehr. Jetzt nimm´ ihn Du und mach` was
draus!“ Ich verstehe sofort, dass das ein magischer Moment ist. Schließlich lebe ich nicht das erste Mal. Feen an der Wiege! Da geht es ums Wünschen. Also jetzt oder nie, und bloß keinen Fehler machen! „Ein Haus“, sage
ich. „Ich mache ein Haus draus, eine Burg, und ich werde Königin.“ Die Feen lachen. „Sieh mal an. Hohe Ansprüche stellst Du ja keine“, ruft die Hellblaue. „Wie wäre es mit Königin der Selbermacher“, fragt eine andere in
silberner Robe. „Einverstanden!“ Und dann geht es wild durcheinander. Jede kann etwas und will es mir beibringen.„Darfst Du alles selber machen!“ „Nähen.“ - „Stricken.“ „Kochen!“ „Häkeln, weben, knüpfen.“ „Denken“,
brüllt eine dicke Fee in tiefem Waldgrün dazwischen. „Schreiben.“ - „Malen.“ „Orakeln und zaubern.“ „Das kommt doch erst später!“ „Was, das kann doch jedes Kind!“ Gleich zanken sie sich.
Nachwort der Autorin
„Hindernisse überwinden ist der Vollgenuß des Daseins.” Arthur Schopenhauer Es bekämpften Bürokraten einen Abwasserkanal für das Wasserschutzgebiet, den sie aufgrund ihrer
Verordnung selbst verlangten. So verquer kann unsere Bürokratie sein! Aber welchen Sinn macht eine Verordnung, die nur für den gilt, der sich erkundigt oder eine Genehmigung beantragt? Für den wird sie wie
der Knüppel aus dem Sack gelassen. Eine Verordnung, deren Einhaltung der Bürokratie selbst zu mühselig und teuer ist. Für die, die sie schufen, ist sie beliebig. So ist die Verordnung eine Ohrfeige für
alle, die sich korrekt verhalten. Sie werden zu den Dummen gemacht! Ihnen entbietet die Bürokratie ein Nein oder belastet sie mit Auflagen, deren Erfüllung zum Ding der Unmöglichkeit werden kann. Manchem frißt sie gar
die Heimat weg. Dabei trägt die Wasserschutzverordnung den Deckmantel des Gemeinsinns. Als ob es im Sinne aller wäre, bestimmte Häuser zu beseitigen, Grundstücke an das Wasserwerk zu verkaufen oder einen
Gasanschluß einzurichten. Manche brauchen einen Kanal. Nebenan geht es auch ohne. Wenn das Wasserschutz sein soll ...? Ist es Nettigkeit der Bürokraten, sich vor tragfähigen Lösungen für alle Bürger zu
drücken? Oder ist es nur bequemer? Das Warten auf den richtigen Namen, der jedes Gebiet wie ein Sesam-öffne-Dich erschließt? Was sucht der Wasserschutz überhaupt in bestehenden Ortschaften? Wie viele Wohnhäuser wurden
bis heute in seinem Namen sinnlos beseitigt? Und wie viele wurden unter diesem Vorwand Menschen abgekauft und dann nicht beseitigt? Manche todgeweihten Häuser begannen ein neues Leben im
Schutzgebiet. Wurde die Verordnung nur dazu erlassen, um sie als ein Instrument der Willkür gegen einzelne Bürger zu richten?
Heimat ist ein kostbares Gut. Sie sollte erklärtes Schutzgebiet sein, für jeden Menschen auf der Erde! Und der Verlust der Heimat schmerzt Menschen lebenslang. Umso mehr, wenn das Opfer, das sie erbringen
mußten, ein Tribut der Sinnlosigkeit war. Auch eine Heimatstadt ist wertvoll. Wohl dem, der eine hat. Aber Heimatstadt kann nur diejenige sein, die ihren Bürgern nicht schadet. Augsburg, im Februar 2009
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