Die astrale Nabelschnur in zwischenmenschlichen Beziehungen ist im Grunde ein kollektives Phänomen. Die Intensität mag
differieren, wie auch die Bereitschaft der einzelnen, in eine solche Abhängigkeit zu treten bzw. eine Nabelschnur sogar aktiv zu benutzen. Aber viele der Gründe, in Astralsymbiosen zu treten, liegen auch im
System unserer Leistungsgesellschaft. Der leistungsfähige Mensch muß nicht nur gut sein, stark sein, schön sein, nein, er muß immer noch besser, stärker und schöner sein als die anderen. Hier reproduziert
sich das Machtgefälle, und zwar bereits vom Anfang des Lebens an. Und wie wir gesehen haben, tritt der Mensch sein Leben bereits entwurzelt an, wenn er in diese technologisierte Welt hineingeboren wird.
Eine weitere Grundlage mag darin zu finden sein, daß vor allem in den westlichen Gesellschaften besonders in diesem Jahrhundert die spirituelle Seite der Menschen mehr und mehr verneint worden
ist. Wir besitzen nur wenige zeitgemäße Repräsentanten spiritueller Werte, und in das spirituelle Brachland drängen immer wieder falsche Propheten, die Diesseitigkeit und materielle Werte predigen und die
nicht Diener des Ganzen sind, sondern versuchen, Macht für sich zu konservieren. Dies hat in der ganzen Geschichte immer zu Zerstörung geführt. Aber ich sehe auch, daß die Welt bereits der Zeitenwende
begegnet. Die Menschheit ist momentan im großen Stile dabei, die feinstoffliche Seite der Existenz (wieder) zu erforschen.
Der materielle und rationalistische Überhang seit der Neuzeit hat
einen bedeutsamen Mangel am Unerklärbaren erzeugt, und es findet eine tiefgreifende Bewußtseinserweiterung statt, im Zuge derer einer breiten Masse lang vorenthaltene esoterische Techniken und geheime
Zusammenhänge des Lebens zugänglich werden. Dabei findet ein Ablösen von den Vermittlerpersönlichkeiten statt, was letztlich zu mehr Eigenverantwortung führen wird. Eine Individualisierung menschlicher
Spiritualität macht starre, hierarchische Institutionen überflüssig. Nicht umsonst wird dieser bereits spürbare Trend von Soziologen und Kirchenvätern mißtrauisch beäugt. Zum Teil vielleicht auch, weil die
Umsetzung noch zu verfrüht und daher störanfällig ist, doch bei manchen ganz sicher auch, weil sie am Veralteten festhalten. Doch ich denke, dies ist ein evolutionärer Lernschritt und eine große Chance für
uns alle. Die Einsicht in energetische Ursachen, die im Prinzip wir alle geschaffen haben und beständig fortsetzen, birgt bereits die Zukunft in sich, denn nur über diese Einsicht ist eine Umwandlung alter
Strukturen erreichbar.
Es ist klar, daß die Menschen nun das Neue ausprobieren. Viele entwickeln magische Kräfte (PSI-Energien), auch ganz unbeabsichtigt, einfach deshalb, weil die Menschheit
als Ganzes dies gerade tut oder auch, weil wir hier in der westlichen Welt jetzt vom religiösen Dogmatismus befreit sind und ohne Todesgefahr andere spirituelle Wege beschreiten können. Nun wird Aufklärung
darüber wichtig, dass auch psychische Energien nicht nur Realität besitzen, sondern auch in die physische Wirklichkeit formend einwirken.
Hierin liegt große Macht wie auch Verantwortung des
einzelnen. Angewandtes Halbwissen ist in keinem Lebensbereich von Vorteil. Der unwillkürliche und unbewußte Umgang mit den PSI-Energien verursacht vielfach Schaden, der durch genaue Aufklärung vermeidbar
wäre. Die astrale Nabelschnur als psychisch-energetische Verbindung gehört natürlich dazu.
Die weltweite Vernetzung im Datenkommunikationsbereich der Computerwelt erscheint mir wie ein Spiegel
der esoterischen Entwicklung. Dies sind analoge Prozesse unserer Zeit, mit denen wir uns auseinanderzusetzen haben. Telepathie und PSI-Energien sind ebenso real wie Radio, Funktelefon oder
Satellitenfernsehen. Aber so, wie sich gerade die Gesetzgeber den Kopf darüber zerbrechen, im Zuge der beschleunigten Entwicklungen einen wirksamen Datenschutz zu schaffen, so sollte sich auch jeder einzelne
Gedanken darüber machen, wie verantwortlich er/sie mit der innerpsychischen Datenautobahn umgeht. Wird die enorme Bewußtseinserweiterung in die alten Leistungs- und Machtstrukturen eingebracht, dann dient
sie lediglich der Übervorteilung und Machtausübung im Sinne des alten Musters. Mit diesem Problem werden wir in der Zukunft noch zu kämpfen haben.
Ein Mensch mit unerlöstem Nabelchakra ist
nicht in der Lage, die Welt anders als im Macht/Ohnmacht-Gefälle begreifen. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn; wer nicht Freund ist, ist Feind. Dies entspricht unserem konkurrenzbetonten
gesellschaftlichen Leistungsprinzip. Um das neue Bewußtsein und die erwachenden PSI-Energien verantwortlich anzuwenden, ist es notwendig, die Individualität der anderen Menschen anzuerkennen und ihre eigenen
Bedürfnisse zu akzeptieren.
Paradoxerweise ist es so, daß je größer die Vernetzung und Gemeinschaftlichkeit wird, jede und jeder einzelne umso mehr auf sich selbst und die Grenzen der anderen
achten muß. Eine Daten- oder Energieverbindung, egal welcher Art, muß als Verbindlichkeit dem Ganzen gegenüber begriffen werden. Und dieses Ganze ist keine namenlose Masse gleichgeschalteter Funktionsträger,
sondern ein Mosaik aus Einzelindividuen, die gemeinsam wirken.
Wir bewegen uns auf ein Zeitalter des Individualismus zu. Der allseitige Zerfall großer politischer und religiöser Zentralismen
ist der Vorbote der neuen Zeit. Zu dieser Zeit gehört die gegenseitige Achtung und Wahrung der Individualität separater Einheiten. Beziehungen in Form hoheitlicher Annexionen oder kolonialer
Machtdemonstration haben ausgedient. Die Verbindungen der Zukunft sind freie Zusammenschlüsse, die der Verwirklichung eines gemeinsamen Leitgedankens dienen.
Dieser Leitgedanke muß in letzter
Konsequenz planetares Bewußtsein und globale Verantwortlichkeit beinhalten. Mit anderen Worten: Der Organismus Menschheit muß sein Nabelchakra erlösen, will er nicht der völligen Zerstörung erliegen. Dieser
Prozeß beginnt bei jedem einzelnen Menschen. Deine ureigenste innere Revolution und Verwandlung baut mit an der Basis der Zukunft. In manchen esoterischen Kreisen wird für das Wassermannzeitalter das Kommen
eines neuen Erlösers erwartet, der, wie es heißt, die Welt einen soll.
Ich glaube nicht, daß ein einzelner Mensch im gegenwärtigen Stadium der Menschheit dazu in der Lage ist (außer er errichtet
eine globale Militärdiktatur). Auch scheint mir dieses Warten auf den Einen, der endlich anfängt, etwas zu tun,dieses Suchen nach dem Übermenschen, wie auch der immer wieder aufkeimende Ruf nach einem
starken Mann in der Politik ein Relikt der Entwicklungsstufe des Fischezeitalters, wo die breite Masse ein gesichtsloses Ganzes war und einem Führerideal folgte. Unser globales kollektives Erbe des
Fischezeitalters sollte jedoch das Wissen um Macht und ihre Mechanismen sein.
Erstarrt Macht in Konzentration auf die Interessen einzelner oder beim einzelnen selbst, so ist die Antwort darauf
immer Auflösung der Struktur, die in der Regel mit kollektiver Zerstörung einhergeht. Diesen Prozeß hat die Menschheit 2000 Jahre lang eingeübt, und sie sollte nun zur grundlegenden Erkenntnis gereift sein,
so daß der neue Mensch des Wassermannzeitalters die Energie der Zeitqualität nicht mehr in in die Kämpfe mit jenen überkommenen Formen zu stecken braucht. Im Fischezeitalter haben wir erkannt, dass im
transzendenten Urgrund alles Eins ist. Die Botschaft des Wassermanns führt uns zum Verständnis der Gleichberechtigung allen Seins in seiner Verschiedenheit und Vielfalt.
Es ist Zeit, die
Führungsqualität und damit alle Verantwortung nicht mehr auf eine andere Person oder eine Instanz außerhalb des eigenen Seins zu projizieren. Vielmehr sollte jeder einzelne Mensch selbst Verantwortlichkeit
und Teilhabe am ganzen System entwickeln und praktizieren. Für den spirituellen Bereich bedeutet dies, Gott in uns zu finden, anstatt außerhalb danach zu suchen. Demnach ist der Erlöser kein bestimmter
einzelner Mensch, sondern der Geist eines neuen Denkens und Fühlens in uns allen. Es ist der Geist eines neuen spirituellen Bewußtseins, das auch ökologische und menschheitsbezogene, soziale und politische
Verantwortung beinhalten wird. Und dieser Geist, kann die Bänder der Macht und Abhängigkeit auflösen, zu gegenseitigem Annehmen, zu Achtung, Mitgefühl, Freiheit und Eigenständigkeit führen und die Menschheit
in globalem Bewußtsein einen. (Januar 1997© Karin Brandl, Alchima®)