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Einige Gedanken zu meinem Wohnort Augsburg Die HerausforderungDie Klingel läutete mich am Silvestermorgen
stürmisch heraus. Unsere Postbotin hielt ein Kuvert hoch, das sich dem Briefkasten sperrte. Der Jahreswechsel brachte mir ein dickes Buch, in Geschenkpapier eingewickelt. Die Absenderin kenne ich seit vielen
Jahren, und schon mehrmals verbanden uns synchronistische Ereignisse. Voller Spannung wickelte ich das Buch aus. Es handelt vom Heilen.
Wahllos schlug ich es auf und das Erste was ich las, war folgendes Zitat: „Planen Sie eine Sache immer, indem Sie diese in Ihrem nächstgrößeren Zusammenhang betrachten - einen Stuhl in einem
Raum, einen Raum in einem Haus, ein Haus in der Umgebung, die Umgebung innerhalb eines Stadtplans.“ Eliel Saarinen, im Time Magazine, 2. Juli 1956 Treffender hätte niemand die momentanen
Herausforderungen meines Lebens ausdrücken können. Diese Worte wurden ausgesprochen, lange bevor ich von dieser Welt Notiz nahm. Aber nun waren sie für mich gedacht und fanden den Weg, in meine Zeit und in
mein Leben. Und als wollte mir jemand das Zitat nochmals deutlicher machen, flogen mir in Gedanken Worte zu. Plane größer, über das Naheliegende und Eigene hinaus. Beziehe die Umgebung mit ein. Der Platz wo
Du lebst, ist eingebunden in ein größeres Ganzes und davon nicht zu trennen. Es ist kein Zufall, dass Du HIER bist. Dies ist Dein Platz. Du mußt den Ort heilen! Der Geist eines Ortes ist sein lebendiges BewußtseinHeil ist harmonische Ordnung. Hat ein Ort eine Struktur, die ganz ist, in sich stimmig und vollständig, dann kann er heil genannt werden. Ein heiler
Ort kann unberührte Natur sein, ebenso ein Platz inmitten einer Stadt, oder das künstliche Heil menschlicher Gestaltung, wie wir sie etwa aus der hohen Gartenbaukunst kennen. Das Gegenteil eines heilen Ortes
ist der, der aus der Ordnung geriet. Seine Strukturen entbehren jeglicher Harmonie. Doch ein Ort lebt nicht nur durch seine sichtbaren Formen. Er besitzt eine immanente Struktur, basierend auf
einem unsichtbaren Untergrund. Ein Ort ist auch Geist und der Geist ist spürbar. Er lebt aus den Bewohnern seines Ortes, er sammelt Vergangenes, bewahrt Erinnerungen. Und so, wie die Menschen den Geist dem
Ort aufprägen, so speist er sie aus seiner Aura. Der Geist ist ein lebendiges Wesen aus reinem Bewusstsein. Wer hellfühlig ist, spürt den Geist eines Ortes. Verborgenes wird dem inneren Auge
sichtbar, Geheimnisse enthüllen sich. Je nach Beschaffenheit des Ortes, stellt sich Geborgenheit oder Unbehagen ein. Dann braucht der Ort Heilung. Unsere Altvorderen wußten das Jahrhunderte lang. Ortsgeister spiegeln das mitmenschliche KlimaDas Ortheilen hat eine lange Geschichte, jedoch meist im Zusammenhang mit einer vertikalen Ausrichtung, zur Schaffung eines heiligen Ortes. Viele
Sakralbauten stehen auf alten Kultplätzen oder Tempeln vergangener Epochen. Die Kraft des einstigen Heiligtums wird in das neue integriert, denn der Geist vergeht nicht, so lange der Ort besteht. Ein
heiliger Ort mit vertikaler Energieverbindung gilt als Einstrahlpunkt des universalen, spirituellen Geistes. Anders als Kultorte, sind die Lebensräume der Menschen Versammlungsplätze
vieler verschiedener Geister. Damit sind keine Spukgestalten gemeint, sondern die Energie der Vielzahl der Gedanken, Intentionen und Vorstellungen der Bewohner eines Ortes. Auch das, was Menschen dort tun
und lassen, ihr Charakter, ihr Umgang miteinander, sogar ihre Gefühle, prägen den Ort. Engel und liebevolle Geister erheben die Sinne und lassen einen Ort erstrahlen. Sie beschützen das Gute
und vermehren das Glück. Boshafte Dämonen hingegen stiften Unfrieden, säen Zwietracht und vergiften die Nachbarschaft. Einfältige Geister des Dumpfsinns, der Falschheit und Gier ziehen ihresgleichen herbei
und der Ort versinkt in einem unheilvollen Sumpf. Heilen ist OrdnenHeilung eines Ortes bedeutet indes, ihm wieder eine harmonische Ordnung zu ermöglichen. Dann steht der Ort zu den Menschen, sowie diese
untereinander, in positiver Resonanz. Dabei ist Heilen weniger ein Streben und Trachten. Heilen ist mehr ein Fließenlassen und Beobachten der Energien. Es ist etwas Natürliches. Aus der Quantenphysik wissen
wir: allein schon durch Betrachtung verändert sich das Universum. Es reagiert auf Fragen, die wir stellen, und auf Wahrnehmung. Das Erfaßte wird benannt und differenziert, und im Geiste erstehen Struktur und
Ordnung, welchen die Energie bis in die Materie hinein folgt. So definiert sich Magie und genau so heilt ein Ort. Wir müssen wahrnehmen, erkennen und benennen, was wir sehen.
Solches Handeln ist politisch. Es ist ein Geist, der inmitten der Gemeinschaft entspringt. Überall dort, wo Bürger aktiv auf Mißstände aufmerksam machen, steht das Engagement der Teilhabe als Motiv im
Hintergrund. Es ist das Denken über das Naheliegende und Eigene hinaus, das die Umgebung mit einbezieht. Noch sind es unter Vielen wenige, die dies leisten. Doch von dem, was die Wenigen erreichen,
profitieren viele, denn deren Kraft ordnet, was in Unordnung geriet. Sie sind Heiler des Ortes.(©Karin Brandl, Alchima® 8.2.2010) |